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Aktualisiert am 22.07.2008

    Information zur Kastration der Hündin

    Kaum ein medizinischer Routine-Eingriff an Tieren erhitzt die Gemüter so heftig wie die Kastration der Hündin. Welche "Doppelmoral" : bei Katzen z..B. ist die Kastration selbstverständlich und wird ohne Diskussion verlangt und durchgeführt. Was ist bei Hündinnen denn so anders? Oft wird argumentiert, der Mensch hätte kein Recht, in einen "natürlichen" Prozeß regulierend einzugreifen. Davon abgesehen, dass das Argument der "natürlichen", artgemäßen Haltung auch in allen anderen Bereichen der Hundehaltung ständig ad absurdum geführt wird ( wo wird der Hund "artgemäß" im Rudel gehalten, wo darf er sich "artgemäß" fortpflanzen, sein Futter beschaffen etc.), gibt es jede Menge vernünftiger Gründe, eine Kastration an der nicht zur Zucht bestimmten Hündin durchführen zu lassen.

    1. Hündinnen sind mindestens 2x im Jahr läufig, in dieser Zeit muß die Hündin strikt unter Kontrolle geführt und beaufsichtigt werden. Der Einfallsreichtum der Tiere, ihrem "natürlichen" Fortpflanzungsverhalten nachzugehen, sollte keinesfalls unterschätzt werden. Die Hündin leidet unter dem Abgeschirmt werden in dieser Zeit durchaus psychisch.

    2. Ein Moment der Unachtsamkeit ergibt im ungünstigsten Fall unerwünschte Junge , die im Fall der Vermittlungsproblematik die eh schon überfüllten Tierheime zusätzlich belasten. "Natürlich" kann eine solch unerwünschte Bedeckung per rechtzeitig eingesetzter Spritze behoben werden, die Belastung des Organismus durch die dafür notwendigen Hormone sollte aber nicht unterschätzt werden.

    3. Sehr häufig nach Läufigkeiten kommt es zur mehr oder weniger stark ausgeprägten Scheinschwangerschaft. Sie ist lästig für den Besitzer, mit psychischen Problemen verbunden für die Hündin. Oft wird eine tierärztliche Einwirkung über Hormongaben unumgänglich. Zudem neigen Hündinnen mit wiederholten Scheinschwangerschaften zu erhöhtem Risiko, an tumorösen Entartungen der Milchleiste zu erkranken. Eine zu Recht gefürchtete, oft tödlich endende Krankheit, die durch rechtzeitige Kastration deutlich minimiert werden kann. So kommt es durch eine Kastration vor der ersten Hitze zu einer Reduzierung des Mammatumorrisikos auf Null, bei einer Kastration nach der ersten Hitze zu 92% , nach der zweiten Hitze um 74%.

    4. Mit der Kastration wird einer durch hormonelle Entgleisung entstehenden Gebärmuttervereiterung, die mit zu den häufigsten Erkrankungen von Hündinnen über 6 Jahre gehört, vorgebeugt.

    5. Bei bestimmten Erkrankungen, wie z.B. der "Zuckerkrankheit" , ist die Kastration sogar Teil der Therapie, da das Eierstockhormon die Zellen für das notwendige Insulin unempfindlich macht.

    Alternativ zur Kastration gibt es die Unterdrückung der Läufigkeit durch Tabletten und Injektionen. Sie ist möglich, auf Dauer aber nicht empfehlenswert. Da Hunde - im Gegensatz zum Menschen - auf den Einsatz von Geschlechtshormonen sehr empfindlich reagieren, erhöht sich die Gefahr von Eierstockcysten und Uterusentzündungen.

    Mögliche, unerwünschte Auswirkungen der Kastration sollen der Vollständigkeit halber nicht verschwiegen werden, sind aber kalkulierbar.

    1. Übergewicht. Bedingt durch die manchmal erkennbare Abnahme der Aktivität bei gleichzeitig unverändertem Futterangebot. Damit leicht zu verhindern : moderate Fütterung und ausreichend Bewegung.

    2. Haarkleidveränderung. Ein reiner "Schönheitsfehler", der bei bestimmten Rassen mit weichem, langem Deckhaar( Irish Setter, Langhaardackel, Cocker ) vorkommen kann, aber nicht muß. Hier wird das Fell manchmal welpenartig flauschig. Bei Drahthaarrassen wird das Fell dafür oft deutlich besser.

    3. Inkontinenz. Sie kommt vor allem bei großen und sehr großen Hunderassen über 25 kg mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von 16 - 20 % vor. Diese großen Hunde neigen allerdings schon von Natur aus zum Harnträufeln. Das Problem läßt sich fast immer durch den Einsatz von Medikamenten beheben, die bei der richtigen Wahl gesundheitlich unbedenklich sind, aber lebenslang gegeben werden müssen.

    Von Vereinstierärztin Dr. Verena Kunz, Eschborn/Ts.

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