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Aktualisiert am 01.06.2007

    Bericht eines Flugpaten


    Wir hatten uns als Reiseziel die Blumeninsel Madeira ausgesucht und eine Kollegin meiner Frau sagte, "Ihr stellt Euch doch hoffentlich als Flugpaten zur Verfügung"!

    Flugpate!, was ist das um Gotteswillen!

    Die bewusste Kollegin sagte uns, dass man sich bei einer Tierschutzorganisation, die in dem Urlaubsgebiet arbeitet, als Flugpate zur Verfügung stellen kann, um mit dem Rückflugticket ein Tier mit nach Deutschland zu nehmen.

    Haben wir nicht genug Tiere in Deutschland? Sind nicht unsere Tierheime voll mit Tieren, die alle ein Zuhause suchen?

    Meine Frau fand meine Einwände spießig und ich begab mich auf die Suche ins Internet.

    Es war ganz einfach, ich fand die Homepage von anima-madeira.de und erkannte, dass dahinter der deutsche Tierschutzverein ANIMA Hilfe für Tiere e. V. steht.

    Besonders berührte mich, dass unter "ANIMA MADEIRA" meine Frage, nach dem Sinn, Tieren aus anderen Ländern, durch die Mitnahme nach Deutschland, zu helfen, beantwortet wurde. Es stimmt, die deutschen Tierheime sind voll mit großen Rassehunden und es wurde mir klar, dass eine Familie mit Kindern, die vielleicht in einer Wohnung lebt, diese Hunde nicht halten kann.

    Ich erkannte die Logik der Aussage, "ein kleiner südeuropäischer Hund nimmt keinem deutschen Hund im Tierheim einen Platz weg" und damit waren alle Vorurteile ein Flugpate zu sein beseitigt. Wir fingen an, uns darauf zu freuen, einen kleinen Hund mitzunehmen und ihm damit das Leben zu retten.

    Wir meldeten uns bei der Email-Adresse anima-ev@t-online.de als Flugpaten an und es folgte sofort ein telefonischer Rückruf, in welchem Fragen nach der Personenanzahl und der gebuchten Fluglinie zu beantworten waren.

    Wir erfuhren, dass mitzunehmende Tiere bei der Fluggesellschaft als "Sondergepäck" anzumelden sind, was ANIMA Hilfe für Tiere e. V. im Namen der Flugpaten übernimmt.

    Wir erfuhren außerdem, dass die Fluggesellschaften die Mitnahme nur von einem Tier pro Passagier erlauben, es also einer Menge von Flugpaten bedarf, um auch nur 10 Hunde nach Deutschland zu importieren!

    Wir hatten als Flugpate nichts weiter zutun, als am Abflugtag, nach einem wunderschönen Urlaub auf Madeira, den Beauftragten von ANIMA Hilfe für Tiere e. V. mit zwei Tierboxen auf einem Gepäckwagen (das war das Erkennungszeichen für uns), am Eingang zur Abflughalle, zu treffen. Er hatte die gefaxte Bestätigung zur Mitnahme der Hunde bei sich und half uns beim Einchecken von unserem Gepäck einschließlich der Hunde.

    Wir sahen in jeder Box einen süßen kleinen Hund sitzen, der eine davon war allerdings sehr, sehr mager, aber beide schauten ohne große Furcht in den Trubel um sie herum. Mit Erstaunen stellten wir fest, dass unser Einchecker 40 Euro pro Hund der Fluggesellschaft zu zahlen hatte. Uns übergab er ein Kuvert, das mit dem Stempel der Tierklinik Vetfunchal versehen war, mit Impfausweisen, einem Papier der amtstierärztlicher Untersuchung, einem staatlichen Ausreiseformular und einer Rechnung über die ersten medizinischen Untersuchungen der beiden Hunde, die der deutsche Tierschutzverein zu bezahlen hatte.

    Wir schauten uns nach dem Start der Maschine alles an, lasen, dass jeder Hund einen Chip und zusätzlich zur Impfung einen Bluttest hatte. Wir waren erstaunt, wie teuer das alles war!

    Schon vor dem Abflug und jetzt in der Maschine sprachen uns Mitreisende an, warum wir dies tun und/oder wie man dazu kommt so etwas zu tun. Ich glaube, wir antworteten sehr professionell und waren spätestens da davon überzeugt, etwas sehr Gutes und Ehrenvolles zu tun! Einige sagten "ach hätten wir von dieser Möglichkeit gewusst, wir hätten auch so einen Kleinen mit uns genommen". Einer meinte allerdings "na wartet, bis ihr auf den Hunden sitzen bleibt, weil niemand sie euch am Flughafen abnimmt".

    Zu dieser Zeit hatten wir aber schon die Tüte der Tierklinik inspiziert und wußten, wer soviel für die Rettung der Tiere bezahlt, überlässt sie nicht einem ungewissen Schicksal.

    Und so war es auch.

    Die 1. Vorsitzende von ANIMA Hilfe für Tiere e. V. erwartete uns mit einer Helferin, wie abgesprochen, mit der für die Erkennung wichtigen Vereinsschirmmütze auf dem Kopf. Die beiden Boxen standen wieder auf einem Gepäckwagen und wir übergaben das Kuvert mit den Papieren, die für den Zoll wichtig sind.

    Ein letztes Mal schauten wir in die kleinen Hundegesichter, meine Frau fragte voller Emotionen, ob sie die Kleinen besuchen dürfte "aber natürlich, gerne, Eschborn ist doch nicht weit", ob sie vielleicht so einen kleinen Hund für sich aussuchen dürfte "aber meine Liebe, Sie sind doch erfolgreich den ganzen Tag im Beruf beschäftigt, was soll der Kleine in Ihrer Abwesenheit denn tun?", meine Frau schluckte und schob, den auch in meinem Sinne ehrlichen Satz nach, es sind aber so zu Herzen gehende kleine Hunde, es ist furchtbar daran zu denken, dass sie hätten getötet werden können.


    Nachsatz: Wir haben ANIMA Hilfe für Tiere e. V in Eschborn besucht. Wir sind fördernde Mitglieder geworden, d.h., wir zahlen den jährlichen Mitgliedsbeitrag, um die Arbeit in diesem Tierschutzverein zu unterstützen, weil wir mehr nicht tun können. Außer wir fliegen wieder einmal nach Madeira!


    Peter und Mareille Scholz, Mainz

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